Borreliose – eine engagierte Gesellschaft klärt auf

Die Deutsche Borreliose Gesellschaft hat sich in der Vergangenheit vorbildlich für die Aufklärung bei der komplizierten und vielfältigen Krankheitsverlauf der Lyme-Borreliose verdient gemacht. Wir veröffentlichen mit freundlicher Genehmigung die wichtisten Erkenntnisse.

Informationen zur Meldepflicht von Lyme-Borreliose

Coat_of_arms_of_Bavaria.svgLyme-Borreliose ist mit geschätzten 60.000 bis 100.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste durch Zecken übertragene Infektionserkrankung in Deutschland. Bayern führte daher seit 1. März 2013 eine Meldepflicht für behandelnde Ärzte ein, um weitere Erkenntnisse zum Vorkommen und zur regionalen Verteilung dieser Erkrankung zu gewinnen.

Die neue Meldepflicht seit 1. März 2013

Mit der Meldepflicht können beispielsweise Erkenntnisse gewonnen werden, wo in Bayern Infektionen besonders häufig auftreten und welche Bevölkerungsgruppen besonders gefährdet sind. Mit diesem Wissen können die Gesundheitsbehörden die Bevölkerung ganz gezielt aufklären und auch die Ärzteschaft sensibilisieren.

Mithilfe der Meldedaten sollen auch die Fragen beantwortet werden, ob die Lyme-Borreliose mit dem Klimawandel zunimmt und mit welchen speziellen Maßnahmen sie bekämpft werden kann. Die Meldepflicht besteht zunächst befristet bis 28. Februar 2018. Da es sich um eine bayerische Verordnung handelt, gilt sie nur für Personen, deren Hauptwohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthaltsort in Bayern liegt. Es handelt sich um eine anonyme Meldepflicht ohne Personenangaben, Verdachtsfälle sind nicht meldepflichtig. Am LGL befindet sich das Nationale Referenzzentrum für Borrelien, hier werden die Daten zusammen mit dem Robert-Koch-Institut in Berlin ausgewertet.

Die Erkrankung

Ixodida sp.Die Lyme-Borreliose ist eine stadienhaft verlaufende Multisystemerkrankung, bei der verschiedene Organe betroffen sein können. Häufig kommt es zu Erkrankungen der Haut in Form von Wanderröte, zu Nervenlähmungen, Schmerzsyndromen oder zur Schwellung großer Gelenke. Die Erkrankung kommt in ganz Deutschland vor. Früh erkannt, gilt Lyme-Borreliose als effizient zu therapierende Erkrankung mit guter Prognose. Nachdem noch kein Impfstoff gegen Lyme-Borreliose existiert, sind gezielte Aufklärung, lange schützende Kleidung und die Anwendung von Vergrämungsmitteln bisher der wichtigste Schutz. Jüngere Untersuchungen haben gezeigt, dass es auch in Stadtparks häufig Zecken gibt und damit ein Infektionsrisiko besteht.

Das Erkrankungsrisiko

Die Wahrscheinlichkeit, nach einem Zeckenstich an einer Lyme-Borreliose zu erkranken, ist von unterschiedlichsten Faktoren abhängig. So sind erwachsene Zecken häufiger mit Borrelien infiziert als Larven. Durchschnittlich sind in Deutschland etwa ein Prozent der Larven, zehn Prozent der Nymphen und 20 Prozent der adulten Zecken – in Deutschland der „gemeine Holzbock“ (Ixodes ricinus) – mit Borrelien infiziert. Auch die Borrelienart hat einen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die Zeitdauer bis zur Entfernung der Zecke: Je länger eine infizierte Zecke am Menschen saugt, desto höher ist die Infektionswahrscheinlichkeit. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Borreliose und FSME: Erkrankungen durch Zeckenstiche

Sie kommen pünktlich mit dem Frühjahr und bleiben aktiv bis in den Herbst hinein: Zecken. Die kleinen Blutsauger leben im Gras, auf Sträuchern und im Unterholz und warten dort auf Spaziergänger, Sportler, Jäger und andere Naturfreunde. Beim Vorbeigehen heften sie sich an deren Kleidung und suchen nach einer unbedeckten Körperstelle. Zeckenstiche sind alles andere als ungefährlich, da sie Krankheitserreger beherbergen, die sie beim Blutsaugen übertragen.

Die häufigsten durch Zecken übertragbaren Infektionen in Europa sind Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose.

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis; auch Europäisches Zeckenbissfieber)

zecke1Diese zeckenübertragene Virusinfektion ruft jedes Jahr etwa 300 Erkrankungen in Deutschland (davon etwa 130 Fälle pro Jahr in Bayern) hervor. Das Virus kann zu einer Hirnhautentzündung führen, eine Therapie existiert nicht.

Für FSME-Erkrankungen können aufgrund der seit dem Jahr 2001 bestehenden Meldepflicht genauere Aussagen zu Häufigkeit und Verteilung in Deutschland getroffen werden.

Für FSME-Erkrankungen können aufgrund der seit dem Jahr 2001 bestehenden Meldepflicht genauere Aussagen zu Häufigkeit und Verteilung in Deutschland getroffen werden. Die gemeldeten Fallzahlen zeigen zyklische Schwankungen in mehrjährigen Abständen . Nach hoher Aktivität in den Jahren 2005 und 2006 und moderaten FSME-Jahren zwischen 2007 und 2010 (durchschnittliche Fallzahl pro Jahr: Deutschland ca. 280, Bayern ca. 120), stiegen die Fallzahlen 2011 erneut deutlich an (Deutschland: 423, Bayern: 177). Im Jahr 2012 wurde mit 195 Fällen im gesamten Bundesgebiet (davon 90 in Bayern) die niedrigste Fallzahl seit Einführung der Meldepflicht verzeichnet .

Die FSME tritt vorwiegend in bestimmten Endemiegebieten auf. Diese liegen in Süddeutschland (Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen) sowie in Teilen von Österreich und der Schweiz, in Skandinavien und Osteuropa. In Höhenlagen über 1.000 Meter kommen meist keine Zecken vor.

Risikogebiete für FSME in Bayern

In FSME-Risikogebieten wird für Besucher und Bewohner wegen des erhöhten Erkrankungsrisikos die Impfung empfohlen, sofern sie sich beruflich oder in der Freizeit in der Natur aufhalten. In Bayern wurden aufgrund der gemeldeten Fälle im Jahr 2008 drei neue Risikogebiete ausgewiesen. Insgesamt sind nun 78 von 96 Kreisen in Bayern zum Risikogebiet erklärt worden.

Karte: FSME-Risikogebiete in Deutschland (Basis: FSME-Erkrankungen 2002-2012, die dem RKI übermittelt wurden)

Krankheitsbild

STARI_RashNicht jeder Stich einer infizierten Zecke führt zu einer Infektion. Nach erfolgter Infektion treten bei rund 30 % der Infizierten Krankheitserscheinungen auf. Die Krankheit verläuft in zwei Phasen: Zunächst kommt es zu grippeähnlichen Symptomen mit mäßigem Fieber (in der Regel nicht über 38 °C), Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindelgefühl. Nach einem fieberfreien Intervall von etwa einer Woche bis 20 Tagen entsteht bei ca. 10 % der Patienten eine Meningoenzephalitis (Hirnhautentzündung) mit Fieber, Erbrechen, meningealen Reizerscheinungen, vereinzeltem Auftreten von Stupor oder Koma. Bei älteren Patienten kann sich zusätzlich eine Myelitis entwickeln. In diesen Fällen besteht die Gefahr von bleibenden neurologischen Ausfällen, in der Regel in Form von Paresen, Anfallsleiden oder lange andauernden Kopfschmerzen. Diese Symptome können oft erst Monate nach der Erkrankung auftreten. Häufig kommt es jedoch selbst nach schweren Verläufen zur völligen Heilung. Schwere Krankheitsverläufe werden fast nur bei Erwachsenen beobachtet. Bei 1–2 % der Erkrankten führt die Erkrankung zum Tode.

Behandlung der FSME

Die FSME kann nicht ursächlich behandelt werden. Lediglich die Symptome können gelindert werden, z. B. durch Fieber- und Schmerzmittel. Spätschäden lassen sich dadurch nicht verhindern.

FSME-Impfung

Die Verhütung von FSME-Infektionen ist besonders wichtig, weil es keine wirksame Behandlungsmöglichkeit gibt. Empfohlene Abwehrmaßnahmen wie Tragen langer Kleidung und Benutzen von Insektenabwehrmitteln mindern zwar das Risiko, bieten aber keinen sicheren Schutz. Die einzige zuverlässige Schutzmaßnahme ist aktive Impfung. Die FSME-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission für Personen empfohlen, die sich beruflich oder in ihrer Freizeit in gefährdeten Gebieten aufhalten.

Die FSME-Schutzimpfung verhindert Erkrankungen an FSME. Dabei werden abgeschwächte Krankheitserreger in den Muskel gespritzt, die dann im Organismus der beimpften Person eine Antikörperbildung gegen FSME-Viren bewirken. Sicherer Schutz vor Erkrankung ist erst nach drei Impfungen zu erwarten. Nach einer Erstimpfung erfolgt zwei bis zwölf Wochen später eine Zweitimpfung. Die dritte Impfung gibt es neun bis zwölf Monate nach der zweiten. Soll der Impfschutz aufrecht erhalten werden, muss alle drei bis fünf Jahre eine Auffrischung erfolgen. Alternativ für Eilige kann die Impfung bereits 7 und 21 Tage nach der Erstimpfung wiederholt werden. Eine Auffrischung sollte dann nach einem und drei bis fünf Jahren erfolgen.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für Personen, die in Risikogebieten leben. Bei beruflicher Exposition ist der Arbeitgeber für die Kostenerstattung zuständig. Bei Urlaubsreisen sind die Kassen nicht verpflichtet, die Impfungen zu bezahlen. Privatkassen entscheiden frei über die Kostenübernahme.

Entfernung der Zecke

Auf jeden Fall gilt: Die Zecke so bald wie möglich entfernen!

Früher empfohlene Methoden wie das Betupfen der Zecke mit Öl, Klebstoff, Nagellack oder anderen Flüssigkeiten sollten nicht angewendet werden, da die Zecke dadurch eventuell sogar ihren Mageninhalt “erbricht” und dabei die Erreger überträgt. Am besten entfernt man die Zecke mit einer spitzen, gut schließenden Pinzette, mit der man sie direkt über der Hautoberfläche packt und langsam herauszieht. Auch weitere Instrumente wie z. B. die Zeckenkarte können erfolgreich eingesetzt werden.

Da mit der Dauer des Saugaktes das Infektionsrisiko steigt, sollte nicht lange gewartet werden sondern notfalls gleich an Ort und Stelle, z. B. im Wald, sofern kein Werkzeug vorhanden, die Zecke mit den Fingernägeln herausgezogen werden. Falls dabei noch Teile der Zecke in der Haut zurückbleiben, handelt es sich dabei lediglich um den Stechrüssel der Zecke, der von einem Arzt entfernt werden kann, um Entzündungen zu vermeiden. Neuere Leitlinien aus den USA empfehlen, die Teile in der Haut zu belassen.

Die Lyme-Borreliose (Lyme-Krankheit)

Überall in Deutschland muss man bei einem Zeckenstich auch mit einer Erkrankung an Lyme-Borreliose rechnen. Im Gegensatz zu FSME, einer Viruserkrankung, die nur in bestimmten Regionen auftritt, handelt es sich bei der Lyme-Borreliose um eine bakterielle Infektion (Borrelia burgdorferi, ein bewegliches, spiralförmig geformtes Bakterium), gegen die es keine Impfung gibt, die aber mit Antibiotika gut behandelbar ist.

Übertragung

Der Zeckenstich ist der Hauptübertragungsweg für den Erreger der Lyme-Borreliose. Die Wahrscheinlichkeit der Übertragung steigt mit der Dauer des Saugaktes an, weshalb Zecken grundsätzlich möglichst rasch entfernt werden sollten. Etwa 10–20 % der Zecken tragen das Lyme-Borreliose-Bakterium in sich.

Krankheitsbild

Die Lyme-Borreliose wird in drei Stadien eingeteilt, wobei atypische Verläufe möglich sind. Das Frühstadium geht meistens mit einer ringförmig nach außen wandernden Hautrötung einher, die sich in der Regel innerhalb einiger Tage bis weniger Wochen nach dem Zeckenstich langsam ausbreitet. Unbehandelt kann auch nach Rückbildung dieser Rötung Wochen bis Monate später das Zweitstadium auftreten, in dem vor allem das Nervensystem betroffen ist. Neben schmerzhaften Nerven- und Hirnhautentzündungen kann es dabei zu Lähmungen (vorwiegend der Gesichtsnerven) kommen. Auch Herzmuskelentzündungen sind möglich. Im dritten Stadium, das normalerweise nach Monaten bis Jahren eintreten kann, werden vor allem die Gelenke befallen, insbesondere in Form von entzündlichen Schwellungen der Knie- und Sprunggelenke. Noch nach Jahren können auch Erkrankungen der Haut und des Nervensystems auftreten. Es wurden auch Krankheitszeichen beobachtet, die denen der Multiplen Sklerose (MS) ähnlich sind. Relativ häufig durchläuft die Zecken-Borreliose nicht die Reihenfolge der geschilderten Stadien. Die Infektionskrankheit kann wahrscheinlich mit jedem Stadium beginnen.

Behandlung

Eine vorsorgliche Gabe von Antibiotika nach jedem Zeckenstich wird nicht empfohlen. Beim Auftreten der Krankheitsbilder sollte aber umgehend ein Arzt aufgesucht werden, damit dieser nach entsprechender Diagnostik und angepasst an das jeweilige Krankheitsstadium eine Behandlung mit Antibiotika einleitet.

Die Deutsche Borreliose-Gesellschaft

Die Deutsche Borreliose-Gesellschaft e. V. vereinigt Wissenschaftler und Ärzte, die sich mit der Borreliose und assoziierten Infektionskrankheiten befasst. Ziel ist die Entwicklung und Förderung der wissenschaftlichen und praktischen Kenntnisse über das komplizierte und vielfältige Krankheits­geschehen der Lyme-Borreliose, insbesondere im fortgeschrittenen Stadium.

Im Einzelnen verfolgt die Gesellschaft folgende Ziele:

  • Durchführung von Kongressen und Workshops zur Förderung
    •  des fachlichen Austausches zwischen Forschung, Klinik und Praxis und
    •  der ärztlichen Fortbildung entsprechend den Richtlinien der Ärztekammer,
  • Förderung der Wissenschaft und Forschung, um das Verständnis, die Diagnostik und Therapie dieser weitverbreiteten Krankheit voranzubringen,
  • konsiliarische Beratung anderer Ärzte bei schwierigen Borreliose-Fällen sowie die
  • Erarbeitung von Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der Lyme-Borreliose.       

Die Deutsche Borreliose-Gesellschaft ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein, der sich aus Mitgliedsbeiträgen und steuerlich absetzbaren Spenden finanziert. Sie entstand 2004 durch Umwidmung und Neuausrichtung eines seit 2001 bestehenden Vereins zur Förderung eines wissenschaftlich geleiteten Therapiezentrums, das nicht zustandekam. Die Deutsche Borreliose-Gesellschaft wuchs rasch und hat zur Zeit knapp 200 ordentliche Mitglieder (Wissenschaflter und Ärzte), darunter auch ihr Ehrenmitglied Dr. Dr. med. h.c. mult. Willy Burgdorfer, der 1981 die nach ihm benannte Spirochäte Borrelia burgdorferi entdeckte. Zusammen mit ihren nicht stimmberechtigten Mitgliedern hat die Deutsche Borreliose-Gesellschaft rund 265 Mitglieder.

Wir danken der DBG für ihre ausführlichen, sachlichen Inforamtionen und hoffen mit der Veröffentlichung beim Thema “Borreliose und FSME” zur Aufklärung beigetragen zu haben.