Wie facettenreich das Werk Tischbeins jenseits des berühmt gewordenen Bildnisses von Johann Wolfgang von Goethe in der römischen Campagna ist, ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Dabei vermag Tischbein insbesondere durch seine Vielseitigkeit zu faszinieren. Er ist ein wahrer Meister des Anekdotischen, des Fabulierens mit Pinsel und Feder zwischen Bild und Wort, aber auch zwischen Antikenbegeisterung, Idyllen und Tierdarstellungen, zwischen Klassizismus und Romantik, zwischen Italien und Deutschland. Aus diesem Spannungsverhältnis entspringt sein einzigartiges Œuvre.
Er kann als der international bekannteste Spross der hessischen Künstlerdynastie Tischbein gelten – mit einer beeindruckenden Karriere als Zeichenlehrer und Reiseführer Goethes in Rom, als Akademiedirektor in Neapel und schließlich als Hofmaler des Herzogs Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg.
Die Ausstellung präsentiert in verschiedenen Themenräumen nicht nur Gemälde Tischbeins, sondern richtet den Blick vor allem auf seine vielfältigen Zeichnungen und Aquarelle, fantasievoll kombinierte Bild-Text-Werke sowie Autografen aus dem umfangreichen Künstlernachlass. Neben Highlights der Sammlung und erstmals gezeigten Arbeiten auf Papier werden auch Leihgaben aus anderen Museen zu sehen sein. Objekte der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts sowie der Trivialkultur beleuchten den Mythos Goethe-Tischbein kritisch und humorvoll zwischen Kunst, Kitsch und Kommerz.
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Die Geburt des Esels und der Zwist des Gärtnerpaares (Eselsgeschichte), um 1800, Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg, Foto: Sven Adelaide
J. H. W. Tischbein, Selbstbildnis, um 1820, Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg, Foto: Sven Adelaide
J. H. W. Tischbein, Putto und Grille mit Triumphwagen, Tierkampf, Kinderzeichnungen und Notizen, nach 1800, Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg, Foto: Sven Adelaide
J. H. W. Tischbein, Kopf des Agamemnon (Studie zu Homer nach Antiken gezeichnet), vor 1800, Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg, Foto: Sven Adelaide
J. H. W. Tischbein, Reineke Fuchs: Der Rat der Tiere, 1822, Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg, Foto: Sven Adelaide